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Wie gute Diversifikation sich anfühlt

von
  • Finanzpsychologie

Zwei Gründe gibt es dafür, ein Investment zu einem Portfolio hinzuzufügen: Entweder dadurch steigert sich die Rendite oder dadurch steigert sich die Diversifikation.

Eine Steigerung der Rendite kriegt man am einfachsten über mehr Aktien hin, d.h. indem man im Portfolio den Anteil von Aktien gegenüber Anleihen erhöht. Und warum das erstrebenswert sein kann, leuchtet jedem intuitiv ein.

Bei der Diversifikation wird die Sache etwas kniffeliger. Hier müssen wir immer das Portfolio als ganzes im Blick haben. Entsprechend geht es weniger darum, wie sich die einzelnen Bestandteile des Portfolios (sprich Anlageklassen) für sich allein genommen entwickeln, als vielmehr darum, wie sich das Gesamtportfolio durch die Kombination dieser Anlageklasse verhält. Idealerweise kombinieren wir Anlageklassen, die eine geringe Korrelation miteinander aufweisen und sich nicht stets synchron bewegen.

Das führt dazu, dass gute Diversifikation, wenn sie funktioniert, sich leider nicht so richtig gut anfühlt. Denn diversifiziert zu sein bedeutet im Umkehrschluss, man besitzt immer mindestens einen Teil des Portfolios, der gerade enttäuscht. Wie das in der Praxis aussieht, ist in der nachfolgenden Illustration von Blackrock perfekt dargestellt: Das global diversifizierte Portfolio mit 60 % Aktienanteil hätte sich in den vergangenen 21 Jahren verglichen zum S&P500 Index – der in den amerikanischen Nachrichten so präsent ist, wie bei uns der DAX – in fast allen Marktphasen schlecht angefühlt… und dennoch wäre das Ergebnis zum Schluss genauso gut gewesen.

Es wurde also das gleiche Ergebnis erzielt, nur mit viel geringeren Schwankungen. Das ist mit guter Diversifikation möglich. Doch leider ist das erst auf lange Sicht zu erkennen. Deswegen habe ich eigentlich noch nie gehört: „Super, die Diversifikation funktioniert toll, danke!” Im Gegenteil, vor 2010 waren die Schwellenländer und Value-Aktien noch ein wichtiger Renditebringer, während Standard-US-Werte schwächelten. Aber seitdem die amerikanischen Werte zur best-performenden Anlageklasse

geworden sind, heißt es immer häufiger: „Warum haben wir so viel Value und Schwellenländer, sollten wir nicht mehr MSCI World haben?” Und seit einigen Jahren auch immer öfter: „Wieso haben wir so einen hohen Anteil an Anleihen? Die rentieren die ganze Zeit so schlecht. Sollten wir nicht stattdessen den Aktienanteil aufstocken.”

Stets haben die Anleger mit den gut diversifizierten Portfolios das Gefühl, sie schneiden nicht gut genug ab.

Diversifikation führt zu weniger Volatilität und einem besseren Zinseszinseffekt

Dabei stimmt einem jeder zu, dass Diversifikation eine gute Sache ist. Trotzdem ist wenigen Anlegern klar, was die Mathematik dahinter ist, die den Stellenwert der Diversifikation erklärt: Diversifikation ist deswegen so wichtig, weil sie die zu weniger Volatilität führt. Denn wenn man zwei Portfolios vergleicht, die dieselbe mittlere Rendite haben, aber mit unterschiedlichen Volatilitäten, dann hat das Portfolio mit der niedrigeren Volatilität am Ende das bessere Ergebnis – besserer Zinseszinseffekt, bessere annualisierte Durchschnittsrendite. Das nachfolgende Beispiel illustriert dies.

Wenn ich mir zwei Dinge wünschen könnte, die jedem Anleger magisch eingeimpft würden, dann erstens dies: die Mathematik der höheren Performance durch niedrigere Volatilität.

Und zweitens das Konzept: Diversifikation heißt immer Gewinner UND Verlierer im Portfolio zu haben. Oder positiv ausgedrückt: wenn es einen Teil im Portfolio gibt, der einen enttäuscht und den man nicht mag, dann ist das ein gutes Anzeichen dafür, dass das Portfolio gut diversifiziert ist.

Mit diesen beiden Dingen vor Augen fühlt sich Diversifikation nächstes Mal vielleicht auch tatsächlich besser an.

Christian Dagg

Der größte Feind des Anlegers ist häufig der Anleger selbst. Ein unabhängiger Berater bringt den größten Nutzen, wenn er sich zwischen den Anleger und dessen schlimmste Fehlentscheidung stellen kann. Meine Beiträge sollen wie ein Filter für vernünftige Finanzentscheidungen wirken. Ich möchte belastbare Fakten und gesunden Menschenverstand im Zusammenhang mit Finanzthemen in den Vordergrund stellen und versuchen, dies so zu erklären, dass es jeder für sich einordnen kann.

Für Anregungen und Kommentare bin ich immer offen.

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