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Bitcoin als "Investment"​? Für mich, nein danke!

von
  • Privates Vermögen

Bitcoin, Kryptos und NFTs sind heutzutage in aller Munde. Mit wem ich auch spreche, wenn ich erwähne, was ich mache, kommt die Frage nach den Coins. Vor allem aber die jüngere Generation, die ständig durch soziale Medien mit enormen Gewinnen und „get-rich-quick-schemes“ bombardiert werden. Die Erfüllung des Wunsches, nur durch ein minimales Investment und ganz ohne Arbeit zum Millionär zu werden, war noch nie so greifbar. Einfach Glück haben und in den richtigen Alt-Coin investiert, schon muss man nie wieder arbeiten und fährt nur noch mit dem Sportwagen durch Dubai. Die älteren Generationen sind generell etwas vorsichtiger, denn sie haben erlebt, dass der Markt auch mal heruntergehen kann. Generell erinnert mich die aktuelle Situation sehr an Erzählungen und Berichte aus der Zeit kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Menschen waren damals gierig nach mehr Rendite und das enorme Risiko wurde einfach ausgeblendet. Bin das nur ich oder hört sich das vertraut an. Die sozialen Medien unterstützen dieses Verhalten nur noch. Denn witzige Instagram-Stories oder TikTok Videos über die letzten Gewinne zu drehen, macht mehr Spaß, als sich über Verluste oder das Verzocken von ganzen Existenzen zu beklagen. Ich werde auch ausschließlich mit Erfolgsgeschichten umworben. Anscheinend kann man nur gewinnen. Im Fachjargon nennt man sowas „Überlebenden-Verzerrung“, denn nur die Überlebenden bleiben zurück, um ihre Geschichte zu erzählen. Denn alle Menschen, die sich die Finger verbrannt haben, werden bestimmt nicht in ihrem Freundeskreis davon herumerzählen. Und genau das führt mich zu meinem ersten Grund;

Grund 1: Kryptowährungen sind keine Investments

Denn das Handeln mit Kryptowährungen ist ein Null-Summen-Spiel. Jeden Gewinn, den man in der Welt der Kryptos erzielt, stellt einen Verlust eines anderen Investors dar. Nicht wie bei Aktien, wo eine Apple Aktien irgendwann mehr wert ist, weil das Unternehmen dahinter weiter effizient gearbeitet hat. Nein, ein Bitcoin wird für immer ein Bitcoin sein. Wer also Bitcoin kauft, mit der Absicht, damit Gewinne zu erzielen, hofft eigentlich nur, dass in der Zukunft jemand bereit ist, mehr dafür zu zahlen. Allein deswegen hat für mich persönlich, der Kauf von Kryptowährungen nichts mit „investieren“ zu tun, sondern ist reine Spekulation.

Wenn man jetzt die ökonomische Regel „mehr Nachfrage = höhere Preise“ mit ins Spiel bringt, wird einem schnell klar, warum jeder der einen Bitcoin besitzt, nicht aufhören kann davon zu schwärmen und versucht immer mehr „Investoren“ von der Idee zu überzeugen. Umso mehr Investoren es gibt, umso höher steigt der Preis.

Grund 2: Bitcoin erfüllt keinen Zweck

Durchaus hat die Blockchain ihre Stärken in Bezug auf Transparenz und Unabhängigkeit von den Banken, aber diese Vorteile sind für den Normalverbraucher von geringem Wert. Jedoch wurde, durch die weltweite Verbreitung von digitalen Zahlungsdienstleistern wie PayPal oder Venmo, das Problem der digitalen Zahlung bereits gelöst. Vor allem, wenn man sich die Höhe der Transaktionskosten von Bitcoin oder dem nächstgrößten Coin Ether ansieht, kann man seinen Augen nicht trauen. Hier kostet eine einfache Transaktion zwischen 5 € und 70 €, der sogenannten „Gas-Fee“. Der Bitcoin ist da noch günstiger, jedoch kann eine einfache Transaktion sehr kompliziert sein. Es kann also noch einige Jahre dauern, bis Kryptowährungen als funktionsfähiges Zahlungsmittel eingesetzt werden können.

Zudem kommt das Problem, dass nichts die Notenbanken dieser Welt hindert, ihre eigene digitale Währung zu erschaffen. Schweden testet mittlerweile ihre E-Krone, und Programme der EU stehen in den Startlöchern. Was passiert mit dem Preis von Bitcoin und Kohorten, wenn jedes Land ihre eigene E-Währung auf den Plan gebracht hat? Vielleicht bleibt es dann die Währung für den Schwarzmarkt und Steuerflüchtlinge!

Grund 3: Schneeballsystem

Für mich ist Bitcoin ein Schneeballsystem. Es gibt Leute, die draufspringen und sehr gutes Geld verdienen. Vor allem die Social Media Influencer, welche sich ihre Reichweite zunutze machen, um neue Projekte zu bewerben. Das funktioniert alles so lange, bis es keine Leute mehr gibt, die bereit sind, die Preise zu zahlen. Wenn es keine neuen Käufer mehr gibt, stellt sich der Handel ein und wer dann noch Coins hält, besitzt einen Sack voll mit wertlosen Einsen und Nullen. Denn Währungen sind einzig so viel Wert, wie das Vertrauen der Bevölkerung in die Organisation, die hinter diesem „Schein“ steht. Deswegen gibt es auch nur Währungen von Staaten oder Unionen und nicht von Fußballmannschaften.

Wie man unschwer erkennen kann, bin ich kein großer Fan von Kryptowährungen. Wo liege ich falsch? Was habe ich vergessen oder nicht richtig verstanden? Ich lerne immer gerne dazu.

Maximilian Worm

Als Finanzberater bei der Brilliant GmbH, führe ich meine Mandanten durch die komplexe Welt der Kapitalmärkte. Während meines Studiums wurde mir bewusst, dass viele uninformierte Anleger den Tücken der Märkte zum Opfer fallen. Mein Ziel ist es, sie mit Wissen und Planung, in ihren finanziellen Zielen zu unterstützen.

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