Aktuelles der Brilliant Vermögensverwaltung

Auch mal eine Abkürzung nehmen

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  • Privates Vermögen

Kaufen, wenn es günstig ist oder: "Buy-the-dip", nennt sich eine bekannte Strategie, die darauf abzielt, Aktien dann zu kaufen, wenn sie auf ihrem niedrigsten Stand stehen, um dann alle Gewinne bis zum nächsten Rekord-hoch mitzunehmen. Klingt intuitiv und ist deshalb als Patentrezept für den Umgang mit Aktien nicht tot zu kriegen.

Das Problem ist: Wer weiß, wann es günstig ist und wann das Rekordhoch da ist? Deswegen warne ich, wie alle vernünftigen Investoren, vor allen Versuchen des Market Timings, denn das Ergebnis ist immer, dass der Anleger damit den Großteil der Renditen verpasst (weil er noch auf den Einstieg wartet und nicht investiert ist, während der Markt steigt, weil er zu früh aussteigt und der Markt weiter steigt, weil er zu früh einsteigt und der Markt fällt, und, und, und…).

Aber wissen Sie was? Ich liebe, mit meinem eigenen Portfolio in gewisser Weise "Buy-the-dip" zu praktizieren. Ich nutze Marktkorrekturen zum Nachkauf im Aktienanteil. Das hat zu meinem finanziellen Erfolg wesentlich beigetragen – und zwar in einem Maße, das fast schon peinlich ist, weil diese Form von "Buy-the-dip" dem Market Timing gefährlich nahe kommen kann. Ist es aber nicht wirklich. Beim Market Timing geht es darum, die Entwicklung des Aktienmarktes vorherzusagen und dann größere Portfolioumschichtungen von Aktien zu Bargeld oder umgekehrt vorzunehmen. Was eben einfach nicht erfolgreich funktioniert. Wenn ich hingegen während einer Marktflaute mehr in Aktien investieren, mache ich keine Vorhersagen. Stattdessen reagiere ich auf das, was der Markt bereits getan hat.

In diesem Sinne ist es ähnlich wie beim Rebalancing, das wir regelmäßig tun. Bei dieser Umschichtung besteht das Ziel darin, die Portfolios wieder in Einklang mit der von der Strategie angestrebten Vermögensaufteilung zu bringen. Wenn ich nach Kursrückgängen kaufe, unterstütze ich dieses Ziel – und wenn ich dadurch neue Ersparnisse zu meinem Gesamtportfolio hinzufüge, ist das umso besser.

Aber ist es nicht naiv, Aktien zu kaufen, nur weil sie im Preis gefallen sind? Wenn wir über einzelne Aktien reden, dann auf jeden Fall. Für einzelne Unternehmen gibt es keine Garantie, dass Aktienkurse sich wieder erholen. Schlimmstenfalls können sie sogar ganz den Bach runtergehen. Aber wir investieren nicht in Unternehmen, sondern in Märkte. Dort ist das noch nie passiert. Nach jedem Einbruch der Weltbörsen hat sich der Gesamtmarkt stets erholt und ist gestiegen.

Diesen Ansatz, einen gewissen Kursrückgang als Signal zu sehen, mehr zu kaufen, kann man als zu schlicht erachten. Fachleute argumentieren, es sei raffinierter, unabhängig vom jeweiligen Kurs auf die zugrundeliegenden Bewertungen zu achten. Dann hätte ich aber die Wertsteigerung der ganzen letzten Jahre verpasst, denn ähnlich wie Immobilien gelten Aktien seit Jahren als überbewertet. In meinen Augen ist es nicht erfolgversprechend, sich bei der Aktienquote von Bewertungen leiten zu lassen.

Also wovon dann? Hier denke ich, wenn es darum geht, mehr Geld in ein weltweit diversifiziertes Aktienportfolio zu investieren, spricht nichts dagegen, sich an der jüngsten Kursentwicklung zu orientieren. Wenn die Kurse gerade gefallen sind, ist es wahrscheinlich ein guter Zeitpunkt, etwas mehr im Aktienanteil zu kaufen – und wenn sie sehr stark gefallen sind, ist es wahrscheinlich ein sehr guter Zeitpunkt dafür.

Ja, ich schaue hierbei nur auf den Preis. Und nein, der Preis ist nicht dasselbe wie der Wert. Aber da die sonstigen Bewertungsmodelle, die es gibt, nichts über die kurzfristige Performance und relativ wenig über die langfristigen Erträge aussagen, ist der Preis vielleicht der zuverlässigste Anhaltspunkt für den Wert, den wir haben - und fallende Preise sind vielleicht das beste Kaufsignal, das wir bekommen können.

Ich habe meinen Aktienanteil immer lieber an fallenden Tagen aufgestockt. Warum sollte ich das nicht tun? Und während großer Marktabschwünge, wie 2007-09 und dem Kurssturz durch die Coronakrise, habe ich beträchtliche Summen vom Anleihenanteil in den Aktienanteil umgeschichtet und gleichzeitig neue Ersparnisse zur Aufstockung meines Aktienportfolios aufgetrieben. Was ist, wenn sich die Markterholung, die wir seit der Corona-Pandemie erleben, in einen weiteren schnellen Rückgang verwandelt? Dann werde ich noch einmal kaufen.

Von der reinen Lehre her mag man sich über diese reflexartige Reaktion auf Kursrückgänge wundern. Aber hier geht es ja nicht um das grundsätzliche Investiert-Sein. Das ist Voraussetzung für meine Überlegung. Es geht nur um ein paar kleine Abkürzungen, die ich gerne nehme, wenn sie sich bieten. Wenn ich bei Kursrückgängen nicht nachkaufen sollte, was wäre die Alternative? Stattdessen bei Kurserholungen kaufen? Würde das mehr Sinn ergeben?

Die Finanzindustrie versucht mit komplexen Produkten auf die Unwägbarkeiten des Marktes zu antworten, die immer die optimale Lösung sein sollen, aber meist nur teuer sind und eine unendliche Geschichte schlechter Anlegerrenditen.

Die Wahrheit ist, dass jeder, der ohne einen konkret ausgerechneten Plan investiert und seinen Weg nicht kennt, Entscheidungen treffen muss, ohne zu wissen, ob sie ihn ans Ziel führen werden. Ich habe eine konkrete Planung und ein Investmentportfolio, das dazu passt. Deswegen kenne ich meinen Weg und sehe Abkürzungen, wenn sie des Weges kommen. Und meist lassen sich neben dem vorhandenen Plan noch genügend Mittel finden, um die Abkürzung nehmen.

Allerdings erfordert dies mentale Stärke. Wenn die Aktienkurse fallen, werden viele Anleger - Amateure und Profis - abgeschreckt. Man muss die Ruhe bewahren und jahrelange Anlageerfahrung hilft, um die allgemeine Stimmung und die Untergangspropheten zu ignorieren. Wollen Sie auch schneller an ’s Ziel kommen? Wenn die Börsen das nächste Mal weniger wert sind, tun Sie sich selbst einen Gefallen: Treten Sie auf den Plan und kaufen Sie nach.

Christian Dagg

Der größte Feind des Anlegers ist häufig der Anleger selbst. Ein unabhängiger Berater bringt den größten Nutzen, wenn er sich zwischen den Anleger und dessen schlimmste Fehlentscheidung stellen kann. Meine Beiträge sollen wie ein Filter für vernünftige Finanzentscheidungen wirken. Ich möchte belastbare Fakten und gesunden Menschenverstand im Zusammenhang mit Finanzthemen in den Vordergrund stellen und versuchen, dies so zu erklären, dass es jeder für sich einordnen kann.

Für Anregungen und Kommentare bin ich immer offen.

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